Braucht man ein iPad Pro mit 13 Zoll, oder will man es einfach?
CHF 954.– für ein Tablet, und dann noch für das grosse. Der erste Gedanke ist meistens derselbe: So viel Bildschirm braucht niemand, das ist Angeberei. Wir haben Ehrlichkeit versprochen, also fangen wir damit an. Für viele Leute trifft dieser Gedanke zu. Für einige trifft er nicht zu. Und es gibt eine dritte Gruppe, über die in Kauftexten selten jemand offen redet. Der Reihe nach.
Was 13 Zoll konkret ändern
Das Display löst 2752 × 2064 Bildpunkte bei 264 ppi auf. Praktisch heisst das: Eine A4-Seite steht fast in Originalgrösse da. Zwei Fenster nebeneinander sind zwei benutzbare Fenster. Wer viel mit Dokumenten arbeitet, merkt den Unterschied direkt.
Technisch ist das Panel ein Tandem-OLED, das vollflächig 1000 Nits schafft und bei HDR-Inhalten bis 1600 Nits in der Spitze. Dazu kommt ProMotion mit bis zu 120 Hertz. Und obwohl das Gerät das grössere der beiden Pro-Modelle ist, ist es mit 5,1 mm das dünnere. Rund 580 Gramm für 13 Zoll sind wenig.
Zur Rechenleistung: Im Gerät steckt der M4, also derselbe Chip, den Apple auch in anderen Produkten ihres Line-ups verwendet. Für ein Tablet ist das reichlich, und genau das ist der Punkt. Es bedeutet Reserve. Apple Intelligence verlangt mindestens einen M1. Dieses Gerät liegt also nicht knapp über der Hürde, sondern deutlich darüber.
Der Punkt, an dem es einen Laptop ersetzt
Lange war das ein Werbeversprechen, das der Realität hinterherlief. Seit iPadOS 26 im September 2025 stimmt es weitgehend. Das Update hat ein echtes Fenstersystem gebracht, eine Menüleiste im Stil von macOS, eine brauchbare Dateien-App und ordentliche Unterstützung für externe Bildschirme. Fenster lassen sich frei verschieben, in ihrer Grösse ändern und an die Bildschirmränder legen. Auf 11 Zoll ist das eng. Auf 13 Zoll ergibt es Sinn.
Genau hier wird das Zubehör Teil der Rechnung. Mit einem Tastatur-Case bekommst Du Trackpad, Fenster und Menüleiste, also einen Arbeitsplatz. Mit dem Apple Pencil Pro bekommst Du ein Notizbuch, das Handschrift erkennt. Beides zusammen erfüllt in vielen Fällen tatsächlich den Anspruch von zwei Geräten. Für eine Studentin, die bisher Laptop plus Tablet mitschleppt, kann das heissen: ein Gerät statt zwei. Vorlesung mit dem Pencil mitschreiben, Skript daneben offen, für die Hausarbeit die Tastatur ansetzen.
Ein Detail, das im Alltag mehr zählt, als es klingt: Beim M4-Modell sitzt die Frontkamera an der langen Seite. Im Tastatur-Modus schaust Du in einem Videocall also geradeaus und nicht seitlich aus dem Bild heraus. Bei den Vorgängern war das umgekehrt, und wer im beruflichen Umfeld täglich in Calls sitzt, merkt den Unterschied sofort.
Wer eine spezifische Windows-Software braucht, ein Statistikpaket, CAD oder eine vollständige Entwicklungsumgebung, braucht einen Laptop.
Wofür sich die Fläche wirklich auszahlt
Zeichnen und Illustrieren ist der offensichtlichste Fall. Der Apple Pencil Pro erkennt Druck und Neigung, und 13 Zoll sind der Unterschied zwischen einem Notizblock und einem Zeichenbrett. Foto- und Videoschnitt unterwegs ist der zweite Fall, mit Thunderbolt am Anschluss lassen sich schnelle externe SSDs direkt anhängen.
Der dritte Fall wird unterschätzt: Lesen. Fachliteratur, Normen, Baupläne, Notenblätter – alles, was in A4 oder grösser gedacht ist, funktioniert auf einem 11-Zoll-Gerät nur mit Zoomen und Schieben.
Wo es Prahlerei bleibt
Wenn das Gerät hauptsächlich Serien abspielt, Rezepte anzeigt und durchs Web scrollt, dann kann das jedes iPad. Die Fläche und das OLED merkst Du beim Film durchaus, die Rechenleistung des M4 bleibt dabei aber vollständig unbenutzt. Wer nie eine Tastatur ansetzt und nie einen Pencil in die Hand nimmt, kauft ungefähr die Hälfte des Geräts nicht mit.
Dazu die Handhabung: 13 Zoll einhändig auf dem Sofa oder im Bett sind unhandlich, und in eine kleine Tasche passt das Gerät nicht. Und eine Konfigurationsgrenze, die zum Angebot gehört: Die 256-GB-Variante hat 8 GB Arbeitsspeicher und einen Prozessor mit neun Kernen. 16 GB gibt es erst ab 1 TB. Für Notizen, Dokumente, Zeichnen und normalen Videoschnitt reicht das gut. Wer riesige Projekte mit vielen Spuren plant, sollte das wissen, bevor er bestellt, und 4K-Material füllt 256 GB schneller, als man denkt.
Und wenn Du es einfach willst?
Jetzt der Teil, den Kauftexte gern auslassen. «Ich will es» ist ein zulässiger Grund. Bei einem Velo, einer Uhr oder einem Sofa fragt niemand, ob die Ausstattung zu hundert Prozent ausgenutzt wird. Bei Technik gilt plötzlich eine Beweispflicht, und die ist erfunden.
Dazu ein praktischer Punkt: Ein Gerät, das Freude macht, wird benutzt. Ein knapp gekauftes, das bei jedem zweiten Handgriff bremst, landet in der Schublade. Und refurbished ist genau die Stelle, an der dieser Grund bezahlbar wird. Der Abstand zwischen «vernünftig» und «das Gute» ist bei einem geprüften Gebrauchtgerät ein deutlich kleinerer als im Neuregal.
Was allerdings nicht funktioniert: das Gerät kaufen und sich hinterher Gründe zusammensuchen, warum man es gebraucht hätte. Wenn Du Dir eine Rechtfertigung basteln musst, brauchst Du es wahrscheinlich nicht. Dann kaufe es, weil Du es willst, oder lass es. Beides ist eine saubere Entscheidung, die Mischform aus schlechtem Gewissen und Ausreden ist es nicht.
Das Angebot im September
Im September gibt es das iPad Pro 13 Zoll (M4) mit 256 GB in Space Schwarz für CHF 954.– statt CHF 1'060.–. Das sind 10 Prozent Rabatt, gültig bis zum 30. September. Der Rabatt gilt über alle Zustände, Du entscheidest also selbst, wie viele Gebrauchsspuren Du in Kauf nehmen willst.
Dass dieser Preis überhaupt möglich ist, hat einen einfachen Grund: Apple hat das M4-Modell im Oktober 2025 durch den Nachfolger ersetzt. Was Du hier bekommst, war bis vor kurzem das Topmodell der Reihe. Revendo ist Apple Authorised Service Provider. Auf jedes Gerät gibt es ein Jahr Garantie, erweiterbar auf drei, dazu 14 Tage Rückgaberecht und Filialen in der ganzen Schweiz, in denen Du das Gerät vorher in die Hand nehmen kannst.
Pro oder Prahlerei? Prahlerei ist es, wenn das Gerät zugeklappt liegen bleibt und trotzdem auf dem Tisch liegt. Pro ist es in dem Moment, in dem Du es aufklappst und damit arbeitest. Und dazwischen liegt ein völlig legitimer Bereich: Du wolltest es einfach.